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Warum Rumänien

Das Land lernte ich erstmalig 1987 kennen, als ich im zarten Alter von 16 (!) Jahren eine Interrail-Reise durch dieses «Reich Ceausescus» machte. Inspiriert durch die «Tramper-Bewegung» bereiste ich fast alle Staaten Südosteuropas, die damals – abgesehen von Jugoslawien – zum «Warschauer Pakt» und damit zur «Welt des Sozialismus» gehörten.

Von Ungarn kommend überquerten wir die hermetische Grenze nach mehrstündiger Kontrolle, die meinen Freund Claudio seine Taschenlampe kostete, welche der Grenzer gebrauchen konnte. Sofort stach uns ein für Europa ausserordentliches Mass an Armut ins Auge. Entlang der Geleise bettelte Jung und Alt um Gegenstände aller Art.

Einige Dutzend Kilometer hinter der Grenze ging flaches Ackerland in Hügel über. Die Landschaft wurde lieblich, die Armut weniger augenfällig. Dörfer, Wiesen, Felder und Wälder wechselten einander ab. Wir waren in Transsilvanien (Siebenbürgen) angekommen. Die ängstlichen Blicke, die uns im Zug begegneten, kontrastierten mit dem ländlichen Idyll, das sich vor den Zugfenstern ausbreitete.

Einfache Häuser säumen die Wege

Noch im selben Zug lernten wir einen Studenten kennen, der des Englischen mächtig war. Auf jeden Fall konnten wir uns ein bisschen unterhalten. Kurz vor Cluj Napoca (Klausenburg) lud er uns in sein Studentenwohnheim ein. Wir nahmen die Einladung gerne an und verliessen den Zug. Auf dem Marktplatz dieser sehenswerten, ungarisch geprägten Stadt begegneten wir einem Kollegen unseres neuen Freundes. Sofort bat der darum, dass sich Claudio und/oder ich entfernen. Denn eine Ansammlung von mehr als drei Personen am gleichen Ort gelte als unerlaubte (politisch offenbar relevante) Demonstration.

In fast schon klaustrophobischer Stimmung – das regnerische Wetter trug dazu bei – durchquerten wir zunehmend hungrig Rumänien. Denn es gelang uns 5 Tage lang nicht, etwas Essbares zu kaufen. Die Restaurants waren geschlossen und vor den Lebensmittelläden bildeten sich jeden Morgen mehrere hundert Meter lange Schlangen. Und das alles notabene in einem sehr fruchtbaren Land.

Nur wenige Jahre später kamen der Fall der Berliner Mauer, die Wende und die länderspezifischen Transformationsprozesse. In Rumänien ging das nicht ohne erhebliches Blutvergiessen und trotzdem vergleichsweise wirkungslos. Denn gestürzt wurde nur die alleroberste Spitze des Regimes. Dahinter blieben die Machtstrukturen, teilweise bis heute, intakt.

Der ganze Schlendrian hatte für die Natur Rumäniens die positive Nebenwirkung, dass das Land strukturarm blieb. Weite Teile des Landes sind noch heute durch extensive Landwirtschaft geprägt. Teilweise fühlt man sich ins Mittelalter versetzt. Aber natürlich existiert auch ein modernes Rumänien, mit Bürotürmen und Schnellbahnen. Die Dichte an Luxuskarossen aus Stuttgarter Produktion ist jedenfalls vielerorts einschüchternd.

Die Natur ist in Rumänien heute oftmals ursprünglich und jener der Schweiz von 1950 nicht unähnlich. 2005 bereiste ich mit meiner damaligen Freundin Esther die Region Maramures westlich und die Bukowina östlich des Hauptkamms der Nordkarpaten. Während mir in der Maramures vor allem die Holzkirchen und die alten Bauernhäuser gefielen, waren es in der Bukowina die weiten Buchenwälder die mich beeindruckten. Später reisten wir noch ins Donaudelta am Schwarzen Meer, wo ich mich in die Otter «verliebte».

In die Maramures kehrte ich 2010 mit meinem Freund Andy zurück, und zwar Ende Januar. Wir hatten die zugegebenermassen etwas abstruse Idee, dort Skitouren zu machen. Auch das nicht vorhandene Kartenmaterial hielt uns nicht davon ab. Dauerthema waren die bis zu 7000 Bären, die in den Karpaten leben sollen und denen wir lieber nicht begegnen wollten. Was dann auch nicht geschah, und immerhin einen Gipfel erreichten wir auch. Heute ist Andy Natur-Filmer im Auftrag des WWF Schweiz. Er arbeitet derzeit an einem Film-Projekt über Wölfe, auch in Rumänien.

Auf all diesen Reisen – und ich habe bis heute drei weitere Reisen nach Rumänien unternommen – fiel mir auf, dass das Land reich an unterschiedlichsten Honigen ist. Früher war mein Wissen darüber noch gering und mir fielen einfach die zahlreichen Stände lokaler Produzenten an den Strassen auf. Heute kenne ich die für die einzelnen Regionen und Jahreszeiten typischen Honige. Die ganz kleinen Imker wie ich selber einer bin, produzieren an einem einzigen, fixen Standort. Die grösseren, professionelleren Imker wandern nach einem festen Kalender durch das Land. Viele haben dazu Lastwagen samt Anhänger ausgebaut, was ich sinnvoll finde. Sie folgen der Robinien-, Linden- und Kastanientracht. In der Schweiz würde sich diese zeitintensive Arbeit nicht lohnen.

Klöster und Kappellen
In Rumänien stehen zahlreiche liebevoll bemalte Gotteshäuser und Kapellen
Weidehaltung
In Rumänien existiert noch das traditionelle Hirtenhandwerk
Markt am Wegrand
Bauern bieten ihr frisches Obst und Gemüse den Reisenden an
Karpaten
Eine naturbelassene Gegend mit ursprünglicher Fauna und Flora
Donaudelta
Nordöstlich befindet sich das Einzugsgebiet der Donau ins Schwarze Meer
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