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Die summenden Schaffer

Martin Arnold

Bienen haben es in die Nachrichten geschafft. Die stillen Schaffer, die höchstens mal durch einen Stich auf sich aufmerksam machen, sind ein Medienthema. Denn der Tod so vieler Bienenvölker macht uns bewusst: Ohne Bienen hätten wir mit unserer Ernährung ein Problem. Deshalb gibt es wieder mehr Menschen, die sich für die Honig spendenden Insekten interessieren. Auch zwei Bücher beschäftigen sich mit ihnen.

Bienen schaffen es in den urbanen Raum. Seit der Schrebergarten nicht mehr als Hort verstockter Fahnenpatrioten gilt, sondern als urban garden für modische Leute mit grünem Daumen, sind Bienen ein salonfähiges Aperitif-Thema. Denn diese müssen ja die Blumen und Pflanzen bestäuben. So soll es in Berlin 600 Hobbyimker geben und es werden täglich mehr. Wer mit mehr als oberflächlichem Wissen glänzen will, sollte sich „Das grosse Buch der Bienen“ oder die „Bienen Mitteleuropas“ zu Gemüte führen. Letzteres Buch, erschienen im Haupt-Verlag, führt die Leser wissenschaftlich fundiert in das Leben der Bienen ein. Neben der ausführlichen Beschreibung der Morphologie, der Lebensweise und Anweisungen zur Bestimmung gibt das Buch auch ausführlich Auskunft über den benötigten Lebensraum der Bienen. Besonders umfangreich beschäftigt sich die „Bienen Mitteleuropas“ mit den einzelnen Arten und Gattungen der Wildbienen. Laien gehen davon aus, dass es wohl nur einige wenige Arten gibt und dass diese Arten vor allem dafür da sind, uns Honig zu machen. Es gibt in Deutschland, Österreich und der Schweiz rund 740 Bienenarten, die meisten davon sind selten geworden.  In den Medien ist vor allem von der Varroa-Milbe die Rede, doch eine weitere Ursache für die Schwächung der Bienen könnten auch Handystrahlen oder Pflanzenschutzmittel sein. Drei Neonicotinoide sind deshalb von der EU vor einiger Zeit verboten worden. Leider benutzen auch heute noch viele Schrebergärtner agrochemische Substanzen, um mit prachtvollem Gemüse prahlen zu können.

Eine weitere Ursache für den schlechten Zustand der Bienenwelt ist zweifellos die Überdüngung durch die Landwirtschaft sowie die seit Jahrzehnten andauernde Ausräumung der Landschaft in ganz Mitteleuropa und im Alpenraum. Dabei spielen die Bienen in Berggebieten eine wichtige Rolle für den Erhalt der Artenvielfalt, die hier besonders bei den Pflanzen noch hoch ist. Bienen sind im gesamten Alpenraum verbreitet, aber die verschiedenen Arten fliegen auf unterschiedliche Höhen. Wegen seines milden Klimas überleben beispielsweise im Kanton Wallis viele Bienenarten 500 Meter höher als in den übrigen Alpengebieten. Einige Arten besiedeln die Alpen über die Baumgrenze hinaus und sind auf gegen 3000 Meter Höhe zu finden.

Bienensömmerung

Nahaufnahme eine Biene

Auch die klassische Honigbiene, die es in einer Art, aber verschiedenen gezüchteten Rassen gibt, ist im ganzen Alpenraum verbreitet. Dank ihres gut organisierten Staatswesens setzen sie ihre solitär lebenden Verwandten unter Druck. Früher war es unter Imkern gang und gäbe die Bienen im Sommer zu alpen. Das ist vorbei, doch nun beginnen immer mehr Älpler mit der Honigherstellung. Für sie sind Honigbienen eine willkommene zusätzliche Einnahmequelle.

 

Buchmempfehlung

Das grosse Buch der Bienen geht auf die sinnliche Seite der Bienen und der Honigproduktion aus. Mit grossformatigen Bildern und Kapiteln wie „Gesundheit und Wellness aus dem Bienenstock“ wird den Leserinnen und Lesern die Faszination der Bienenwelt schmackhaft gemacht.  Der Honig ist ein Wirkstoffcocktail mit einer Mischung aus Traubenzucker und Fruchtzucker, die auf unterschiedliche Weise und zu unterschiedlichen Zeiten vom Körper verarbeitet werden, sodass die belebende Wirkung länger anhält, als sonst bei einem Stück Traubenzucker. Schon Hippokrates hat die Heilwirkung des Bienenhonigs gekannt und Paracelsus behandelte mit ihm erfolgreich Fieber und Furunkel. Inzwischen belegen zahlreiche Studien die Heilwirkung des Honigs, beispielweise dank seiner antibakteriellen Wirkung bei der Wundheilung. Ausserdem wird Honig zunehmend auch in kosmetischen Produkten verwendet. Im schön aufgemachten Buch informiert eine historische Abhandlung über die die Biene in der Mythologie und der Ernährung der Menschheit. Nicht nur Bären stehen seit Urzeiten auf Honig, auch die Menschen beklauen die Biene was das Zeug hält. Kein Insekt hat die Menschen so zu blühenden Vorstellungen angeregt, wie die Bienen ihr Staats- und Gemeinwesen gilt gar als Vorbild.  „Das grosse Buch der Bienen“ reflektiert die Bienen in der Literatur und Poesie. Das Buch zeigt eindrücklich, welch raffiniertes Gefüge ein Bienenstaat aufbaut und welch grosse Bedeutung die Bienen für die Umwelt haben.